

Man liest oft über das Thema, die Deutschen geben immer weniger Geld für Nahrungsmittel aus.
Waren es vor 40 Jahren noch rund 40 Prozent des Erwirtschafteten, so fiel die Quote über 25 Prozent auf 15 Prozent zu Anfang des neuen Jahrtausends. Auf der anderen Seite sind Wellness, Verwöhnwochenenden mit frisch gepressten Säften und Frühstückseier vom Biohof zeitgeistgerecht. Die Fassade soll wohl glänzen, aber über den Rest decken wir den Mantel des Schweigens.
Warum gehen Menschen im Alltag so schlecht mit sich selber um?
Man könnte meinen. die Deutschen sind genussunfähig.
Nehmen wir es doch zur Kenntnis und reden nicht drum rum. Wenn die großen Supermärkte morgen eine Aktion starten würden, dass auf Bressehühner, Gänsestopfleber und Trüffel keine Mehrwertsteuer zu zahlen wäre, sind wir doch mal ehrlich, außer einer Handvoll Aufrechter, würde es keinen interessieren.
Den üblichen Verdächtigen, den man auf den verschiedenen Märkten und Hofläden unserer Heimat treffen, wäre kein Weg zu weit, um diesen Preisnachlass genussvoll in andere Viktualien zu investieren, aber der Rest …
Außerdem sind die Deutschen davon überzeugt, dass einzig und alleine Arzt und Apotheker ihnen helfen können. Auf den Gedanken, dass auf eine permanente Hilfeleistung dieser Herrn mit einer genussvollen und damit gesunden Ernährung sehr oft zu verzichten wäre, sind diese Zeitgenossen noch nicht gekommen.
Man bringt doch sein Geld lieber zum guten Metzger, als zum Hausarzt.
Außerdem kann man den alten Spruch von HÄGAR aus dem Stern jeden Tag neu bestätigen: “Mein guter, alter Bauch, sollst immer haben, was du brauchst“.
Also aussichtsloses Vorhaben, dem Volk der Dichter und Denker Lebensfreude und Genuss einzuhauchen? Nein, so kann man das nicht wirklich sehen. Alle die umdenken wollen, sind herzlich eingeladen. Den anderen wird es so ergehen, wie den Politikern, die die Zeichen der Zeit nicht erkannt haben: ein Staubkorn der Geschichte war immer ein Symbol für ein temporäres Problem.
Amerika hat viele Probleme. Aber ein ganz Peinliches. Der american way of life macht dick. Zu dick. Die schnelle Ernährung macht krank und kostet die Steuerzahler Milliarden. Der innere Feind im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist effektiver als Al Qaida. In ähnlicher Weise läuft es auch in Deutschland ab.
Denn mit keinem anderen Problem werden die westlichen Im-Stehen-Esser so viele Probleme haben, wie mit der Tatsache, dass ihre Bevölkerung sich um Kopf und Kragen isst. Das Hausschwein vom Biohof in der Nähe hat genussvollere Momente bei der Nahrungsaufnahme.
Doch wie den Deutschen Genuss beibringen? Vielleicht auch mal in den Schulen und Universitäten über die soziale Komponente des Essens informieren. Den Unterschied zwischen einer genussvollen Ernährung und der reinen Nahrungsaufnahme erklären.
Eine schwierige Frage.