

Als bescheidener "Bankier der Armen" aus Bangladesch hat sich Muhammad Yunus einen Namen gemacht. Zu seinen Bewunderern gehören - neben etlichen Menschen in seiner verarmten Heimat, denen Yunus ein menschenwürdiges Leben ermöglicht - Prominente wie Bill und Hillary Clinton.
"Eines Tages", sagte Yunus vor einiger Zeit, "werden unsere Enkel in Museen gehen, um zu sehen, was Armut war."
Sein Rezept ist so einfach wie bestechend: Der Ex-Professor und seine Grameen Bank verleihen Kleinkredite an Bedürftige, fast alle davon sind Frauen. Sicherheiten verlangt die Bank nicht. Die Zinsen sind viel niedriger als jene der Wucherer, an die sich die Armen zuvor wenden mussten, reguläre Bankkredite bekamen sie ohne Sicherheiten keine.
"Armut überdeckt die Menschen mit einer dicken Kruste und lässt die Armen dumm und initiativlos erscheinen", sagte Yunus. "Wenn man ihnen aber Kredit gibt, dann erwachen sie langsam zum Leben."
Die Mutter aber war es, die ihn besonders beeinflusste. "Mutter half jedem Armen, der an unsere Tür klopfte", sagte Yunus. Doch vor der immer schlimmeren Armut in seiner damals gerade unabhängig gewordenen Heimat konnte Yunus nicht die Augen verschließen. "Während Menschen auf den Straßen vor Hunger starben, lehrte ich elegante Wirtschaftstheorien", sagte Yunus in einem Interview vor einigen Jahren.
Yunus beschloss: Die Armen sollten seine Lehrer sein.
Für sein Konzept wurde Yunus zunächst ausgelacht. Bankiers hielten die Armen für nicht kreditwürdig. Yunus hielt dem entgegen: "Wie könnt ihr wissen, ob die Armen nicht kreditwürdig sind, wenn ihr es nie ausprobiert habt? Vielleicht sind es die Banken, die der Menschen nicht würdig sind?"
1983 bekam seine "Dorfbank" die Lizenz. Bis Mitte 2005 hatte die Grameen Bank mehr als vier Milliarden Euro an die Armen verliehen. Die Spötter sind längst verstummt: 99 Prozent der Kredite werden zurückgezahlt.
In mehr als 100 Entwicklungsländern hat Yunus' Konzept inzwischen Nachahmer gefunden. "Ich lade jeden ein, meine Idee zu stehlen", sagte der Ex-Professor im vergangenen Jahr in einem ARD-Hörfunkinterview. "Es ist eine tolle Idee, jeder sollte das tun. Ich beschwere mich nur, dass sich nicht noch viel mehr Leute dieser Idee annehmen und sie umsetzen."